Uni, Party, Erasmus, Feuer und Bettwanzen

Freitag, 16.09.2016

Puh, die erste Uniwoche ist überstanden. Ich muss sagen, ich habe viel geschafft diese Woche. Neben der Herausforderung Uni musste ich mich ja auch noch um den Erasmus-Papierkram kümmern. Es ist schon komisch, wie die zuständigen Verantwortlichen hier die ganze Zeit betonen, dass die ersten Wochen nur zur Orientierung dienen, in jedem Kurs aber schon jetzt volles Programm ist. Außerdem sagt einem niemand was. Niemand hat mir gesagt, dass ich mein Erasmus-Geld erst bekomme, wenn die Ankunftsbestätigung und das Learning Agreement unterschrieben zurückgesendet sind. Naja, ich habe mich die Woche mehrmals drangesetzt und es tatsächlich geschafft. Die Uni macht es einem dabei allerdings nicht gerade leichter. Es gibt nur eine Handvoll Drucker und die sind in einem Druckbüro, in dem Studenten arbeiten. Man sagt, was man will und zahlt danach übertrieben viel Geld. Für 3 Kopien musste ich heute über 70 ct zahlen! Verrückt. Und scanen kann man in der ganzen Uni eh nicht, also muss auch mal die Handykamera für wichtige Dokumente hinhalten. Aber immerhin auch eine gute Sache: Anscheinend habe ich meine Dokumente genau fünf Minuten vor Einsendetermin abgeschickt und kriege deswegen bis Mitte der Woche mein erstes Erasmus-Geld. Yay! Es lebe die Handykamera!

Gestern war eine Uniparty, ich wollte eigentlich nur anstandshalber für eine Stunde gehen, weil ich heute um 9 Uhr Uni hatte. Aber als ich ankomme erfahre ich, dass wir uns ein Taxi nehmen müssen und aus Cáceres rausfahren, weil man in Spanien in der Öffentlichkeit nicht trinken darf und so viele Leute kommen werden, dass es zu laut wäre für die Stadt. Und tatsächlich: Nach ein paar Stunden sind mehrere hundert Leute auf einem einsamen Parkplatz mitten im Nirgendwo und unterhalten sich in Grüppchen. Ein paar Bonzenkinder fahren ihre „Pimp-my-ride“ Autos vor – und ich übertreibe nicht – die mit Neonlampen und ca. 10 riesigen Boxen im Kofferraum ausgestattet sind und dröhnen uns um die Wette zu mit lauter Musik. Wenigstens kann ich mal echten mexikanischen Tequila probieren, den mein Nachbar Emanuel extra aus der Heimat mitgebracht hat und erfahre, dass man in Mexiko Shots auch direkt aus der Flasche in seinen Mund gießt, wobei alle um einen rum im Rhythmus klatschen, dir zujubeln und danach applaudieren. Haha, andere Länder, andere Sitten.

Party auf dem Parkplatz

Ansonsten muss ich sagen, dass ich gegen Mitte der Woche eine Verbesserung in der Uni erleben durfte. Tatsächlich habe ich schon etwas verstanden und mit etwas Vorarbeit an den Texten konnte ich sogar gute Beiträge im Unterricht leisten – auf spanisch, wohlgemerkt. Ich bin selber überrascht, dass sich so schnell was verbessert hat, ich hatte schon Angst, dass ich die ersten Monate kein Wort verstehen würde.

Am Abend spaziere ich – mal wieder – durch die Altstadt und dieses Mal geht wirklich etwas vor sich. Ein großer Bereich um die Kulissen ist abgesperrt und überall sind geschminkte und verkleidete Statisten. Und als ich heute am Drehort vorbeikomme, sind die ganzen Kulissen zerstört, als ob alles runtergebrannt worden wäre. Anscheinend endet der zweite Teil von Romeo und Julia nicht gut...

normalerweise steht der glaube nicht hier...

alles zerstört

Komischerweise habe ich überall am Körper Mitesser-große Stiche oder so etwas. Im Gesicht (zum Glück sieht man sie kaum), an den Armen, Beinen. Wenn ich mir über die Arme streiche fühlt es sich an wie ein Gebirge. Da ich heute eh schon total fertig war (kurze Nacht, ja ich bin um 9 zur Uni gegangen) hat mich das schier zur Verzweiflung getrieben. Ich dachte erst, dass es vielleicht Flöhe gibt, die Matratze ist glaube schon ziemlich alt, aber wer weiß, vielleicht ja auch Bettwanzen. Gestern liege ich friedlich auf dem Bett und arbeite an der oben erwähnten Erasmus-Sachen, als ein Insekt über das Blatt vor mir krabbelt, das der Bettwanze im Hostel verdächtig ähnlich sieht. Zum Trost bin ich heute das erste Mal „shoppen“ gegangen, in einen großen chinesischen Laden, der einfach alles hat. Hier kaufe ich zwei Kerzen mit Dekogläsern fürs Wohnzimmer und vier Weingläser! Haha, die dürfen schließlich nicht fehlen – wer trinkt Wein schon aus normalen Gläsern? Ich bin ja kein Wilder :P.
Morgen treffen wir uns um 7.30 Uhr am Bahnhof und machen einen Tagesausflug nach Merida.